380 kV-Erdverkabelung um Göttingen ein Pilotprojekt von bundesweiter Bedeutung

Antrag der CDU/FDP Guppe und der SPD, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und GöLinke
Fraktionen im Rat der Stadt Göttingen

Der Rat möge beschließen:

Der Rat der Stadt Göttingen erneuert seine Beschlüsse aus den Jahren 2010 und 2014 und fordert das Land Niedersachsen als Genehmigungsbehörde sowie die Firma TenneT als Vorhabenträger erneut auf, die bislang auf ca. 5,5 Kilometer Länge geplante Erdverkabelung der 380 kV-Leitung auf dem Stadtgebiet Göttingen auf das gesamte Stadtgebiet auszudehnen (Länge dann ca. 8,5 Kilometer).

Der Rat spricht sich dafür aus, dieses Pilotprojekt während der Feinplanung, des Baus und nach Fertigstellung in einer mehrjährigen Kontrollphase durch die Universität Göttingen bodenkundlich und agrarökonomischbegleiten zu lassen.

Der Rat appelliert weiter an den Bund, dieses elementare Projekt der Erdverkabelung um Göttingen zu unterstützen, da hier wegweisende Erkenntnisse gewonnen werden können für die Vielzahl neuer und alter Starkstromtrassen in Deutschland.

Begründung:

Obgleich die bei Erdverkabelung auftretenden elektromagnetischen Emissionen weitaus geringer sind als bei Höchstspannungsfreileitungen, in deren Umfeld gesundheitliche Beeinträchtigungen befürchtet werden, bestehen aus der Land- und Forstwirtschaft teilweise Vorbehalte gegen 380 kV-Erdverkabelungen. Darum ist es sinnvoll, zumindest exakte Grundlagen für tatsächliche Ertragseinbußen und darauf fußende  Entschädigungsansprüche zu liefern. Für ein wirklich aussagekräftiges Projekt empfiehlt sich der längere Trassenabschnitt, den die Stadt Göttingen seit Jahren fordert, weil hier in verschiedenen Bodenarten mit variablen Verlegetiefen und Einbettungsmaterialien gearbeitet werden könnte.

So wird auch als Ergebnis denkbar, dass in bestimmten Bodenarten eine größere Einbautiefe tatsächlich Landwirtschaft im bisherigen Umfang ermöglicht. Experimentell könnten zudem in kleinen Versuchsfeldern bewässerte Sonderkulturen erprobt werden.

Der letzte niedersächsische Abschnitt der 380 kV-Hochspannungsleitung von Wahle nach Mecklar erreicht nun die Phase des Planfeststellungsverfahrens. Die Firma TenneT als Vorhabenträgerin hat bisher zugestanden, dass der südliche Teil des Trassenverlaufs auf dem Gebiet der Stadt Göttingen erdverkabelt werden soll, für den nördlichen Bereich um Elliehausen sieht sie genügend Abstände zu Wohngebieten, die eine Führung auf Gestänge erlauben.

Der einzige Abschnitt einer Erdverkabelung auf der Trasse Wahle-Mecklar liegt im Weichbild der Universität Göttingen. In dieser Situation bietet sich eine mehrjährige wissenschaftliche Begleitung geradezu an, zumal es bisher für 380 kV-Erdverkabelungsabschnitte dieser Länge in Deutschland keinerlei wissenschaftliche Erkenntnisse gibt. Nur mit gesicherten Informationen wird es bundesweit gelingen, die bisher vagen, aber stark emotional geprägten Debatten auf eine reale Entscheidungsbasis zu stellen.