Vollautomatisierung des Fahrradparkhauses

Der Bauausschuss möge dem Rat zum Beschluss empfehlen:

Die Verwaltung wird aufgefordert, von ihrem Plan einer Vollautomatisierung des Fahrradparkhauses Abstand zu nehmen. Mit der Gesellschaft der Bahn sind Gespräche über die Finanzierung des Fahrradparkhauses zu führen.

Begründung:
Im Bauausschuss vom 09.10.2014 hat die Verwaltung ein vollautomatisiertes Fahrradparkhaus vorgestellt. Es soll dazu dienen, Personal einzusparen und damit die städtischen Zuschüsse an den Betreiber. Die Verwaltung wird aufgefordert, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen.
Göttingen ist eine fahrradfreundliche Stadt. Vor allem bahnreisende Pendler nutzen die Möglichkeit, ihr Fahrrad wetterfest und diebstahlsicher unterzustellen. Dafür nehmen die Kunden sogar die vor einem Jahr verdoppelten Preise in Kauf. Den Parkenden kommt es aber neben Sicherheit und Wetterfestigkeit auch auf ein gutes, praktikables Handling sowie auf ein angenehmes Ambiente an.
Ein vollautomatisiertes Parkhaus kann das nicht leisten, vor allem nicht bei Hochbetrieb in den frühen Morgen- und Abendstunden.

1. Die geplante Bedienung eines Drehkreuzes würde das „Ein“ und „Aus“ deutlich verlangsamen und erscheint  nicht praktikabel. Das Drehkreuz eines Fahrrad-Parkhauses ist nicht vergleichbar mit einem Auto-Parkhaus mit mehreren Eingängen und Fahrzeugen, die sich vergleichsweise schnell bewegen. Eher besteht Vergleichbarkeit mit einer Kassenschlange, in der die Vorstehenden mit EC-Karte zahlen.

2. Wegfallen würden die Arbeitsplätze der Beschäftigten. Neben dem Betreiber sind dies mehrere Teilzeitkräfte, die ihre Kunden persönlich kennen, ihnen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und ein wachsames Auge auf das Parkhaus haben. Nur dadurch ist das Parkhaus stets sauber, sicher und kundenfreundlich. Eine Videoüberwachung ersetzt diese menschliche Leistung nicht. Das gilt auch für die Werkstatt, die zwar erhalten bleiben soll, aber der eigentliche Service, auf den die Kunden Wert legen, besteht darin, dass man in den frühen Morgenstunden sein Fahrrad zur Reparatur abgeben kann, um es am Ende des Arbeitstages wieder abholen zu können. Die Werkstatt öffnet aber später, so dass es dann niemanden mehr gibt, der das Fahrrad bereits am frühen Morgen in Empfang nehmen kann. Fahrradfahrer sind aber auf eine schnelle Reparatur angewiesen.

3. Technik ist immer anfällig. Technische Pannen sind zu erwarten. Bei Problemen, etwa wenn das Drehkreuz versagt, wird eine angezeigte Notrufnummer der Stadtwerke keine umgehende Hilfe bieten. Den Kunden kann nicht zugemutet werden, dass sie mit ihrem Fahrrad stundenlang auf Abhilfe warten.

4. Die Vollautomatisierung wird am Ende zu keinen Einsparungen führen, sondern zu einer ertreibung von Stammkunden. Diese werden auf die öffentlichen Bügel ausweichen, was zu finanziellen Verlusten des Parkhauses führen wird und zur Überfüllung der öffentlichen Plätze. Nutzer zahlen nur, wenn die Vorteile die Parkgebühren überwiegen. Ein „seelenloses“ Parkhaus, in dem Pflege, Service und Sicherheit nicht mehr gewährleistet sind, wird schnell zum Ladenhüter.