Ein Kleinbus für La Paz Centro zur Dialyse

Der Rat möge beschließen:

Aufgrund der akuten Notlage der Versorgung der zunehmend größer werdenden Zahl von Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz in La Paz Centro und den umgebenden Landgemeinden bewilligt der Rat der Stadt 35.000 Euro zur kurzfristigen Anschaffung eines sogenannten Microbusses. Dieser soll für einen  kontinuierlichen und menschenwürdigen Transport der Erkrankten in die verschiedenen Dialysekliniken eingesetzt werden.
Empfänger soll der Partner-Verein Proyecto Social y Capacitación „Casa de la Mujer“ /Alianza Climática* sein, der als Dachverband für die Selbsthilfegruppe Betroffener „Asociación Renal La Paz Centro“ fungiert und als offiziell eingetragener gemeinnütziger Verein anerkannt ist.


Begründung:

Göttingen, Göttinger Schulen und Institutionen pflegen seit Jahrzehnten eine partnerschaftliche Beziehung zu La Paz Centro in Nicaragua. Der Nicaragua-Verein Göttingen hat - begonnen mit der Förderung von Schulprojekten (1988) - seine entwicklungspolitische Arbeit deutlich ausgeweitet und unterstützt seit 2010 die Nutzung erneuerbarer Energien, Trinkwasserversorgung und Klimaschutzprojekte. Aber auch konkrete Hilfe für Erdbebenopfer konnte durch Spendenmittel geleistet werden.

Offiziell besteht zwischen La Paz Centro und Göttingen ein sogenanntes Partnerschaftsabkommen (Solidaritätsvereinbarung) und seit 2015 eine anerkannte kommunale Klimapartnerschaft. Uns haben nun Berichte erreicht, dass die Zahl der an Niereninsuffizienz erkrankten Menschen seit einigen Jahren drastisch zunimmt. Insbesondere der erforderliche Transport dieser Menschen zur lebenserhaltenden Blutwäsche in die nächstgelegenen Dialysezentren stellt sich immer mehr als Problem dar. Die Fahrt mit den Bussen ist beschwerlich und langwierig (2 Stunden). Nach vier Stunden Blutwäsche kommen sie dann nach weiteren zwei Stunden Fahrt mehr als erschöpft in ihren Dörfern an. Die Menschen müssen den Transport aus Eigenmitteln bestreiten, über die sie in der Regel nicht verfügen. Das Einkommen ist zu gering und übermäßig häufig sind zudem junge Familienväter betroffen, die aufgrund ihrer Erkrankung keinen Arbeitslohn mehr erhalten. Das staatliche Gesundheitssystem leistet hier keinen erkennbar organisierten Beitrag, um den Transport der Menschen zur Blutwäsche zu gewährleisten. Etliche Privatpersonen, insbesondere aus Göttingen und der Nicaragua-Verein sorgen mit ihren Spenden zurzeit noch für die allernotwendigste Versorgung der erkrankten Menschen. Auf Dauer lässt sich aber eine kontinuierliche und verlässliche Unterstützung nur gewährleisten, wenn für den Transport vor Ort ein eigener Kleinbus zur Verfügung stehen würde. Zwischenzeitlich hat sich in La Paz Centro eine Selbsthilfegruppe von betroffen Menschen als Verein organisiert.

Dringend und möglichst unverzüglich muss im Interesse der immer größer werdenden Patientengruppe der regelmäßige Transport durch einen ständig verfügbaren Kleinbus ermöglicht und geregelt werden. Von den vom Rat der Stadt Göttingen bewilligten Geld soll ein 16-Sitzer Kleinbus der Marke Toyota Hiace beschafft werden. Die Wartung des Busse würde in der eigenen Werkstatt des Vereins Casa della Mujer gewährleistet, der auch eine geeignete Unterstellmöglichkeit bietet.

Für die notwendigen Benzinkosten will die neu gewählte Bürgermeisterin von La Paz Centro sorgen und der Chauffeur wird aus Spendenmitteln des Göttinger Nicaragua-Vereins bezahlt werden, so dass keine Folgekosten auf die Stadt zukommen werden.

Partnerschaften sind nicht nur „Schönwetterveranstaltungen“ mit Austauschprogrammen und kulturellen Veranstaltungen. Sie beweisen ihre wahre Bedeutung und Tragfähigkeit insbesondere auch dadurch, dass einem in Not geratenen Partner möglichst schnell und unbürokratisch geholfen werden kann.

* Vereinsregisternummer (RUC, Registro Único de Contribuyente) JO810000242782