Situation an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule

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Antwort der SPD-Ratsfraktion Göttingen auf eine Anfrage des Göttinger Tageblattes

Für die SPD-Ratsfraktion Göttingen erklärt die Fraktionsvorsitzende und schulpolitische Sprecherin Insa Wiethaup:

1.            Wie bewertet Ihre Fraktion die in dem Brandbrief geschilderte Situation an der GSG?

Die Situation ist dramatisch. Es gibt unter den weiterführenden Schulen in Göttingen eine ungleiche Verteilung der Schüler:innen, die pädagogisch besonders herausfordern. Die GSG trägt in Göttingen an erster Stelle die Herausforderung Inklusion. Eine gleichmäßige Verteilung der Schüler:innen ist aufgrund der schulgesetzlichen Lage nicht möglich. Hier aber sind Gespräche der Verantwortlichen des Schulträgers nötig. In Hannover gibt es Gymnasien mit Inklusionsklassen für den sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf Geistige Entwicklung. Was in Hannover geht, müsste doch auch in Göttingen gehen.

Darüber hinaus muss die Stadt Göttingen als Schulträger stärker steuern. So sehr wir und alle Eltern sich über die starke Nachfrage am OHG freuen, so sehr muss man auch feststellen, dass der dortige Zulauf bei anderen Schulen fehlt. Wir erinnern uns, dass das OHG eigentlich nie sechszügig gedacht war. Ausnahmen und Ausnahmen über die Jahre, die die Verwaltung, nicht der Rat getroffen hat, haben die Situation mit verändert. Sie ist nicht allein ursächlich, vielmehr ist die Situation der GSG einem Mix aus Vielem geschuldet. Denn darüber hinaus ist festzuhalten: Solange die weiterführenden Schulen frei gewählt werden können, werden die beliebten Schulen noch beliebter, die vermeintlich weniger attraktiven Schulen verlieren leistungsstarke Kinder. Ein Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist. Feste Schulbezirke wären für die GSG auch nicht die Lösung, da sie nun mal in der Weststadt liegt, ein Stadtteil mit unglaublicher Vielfalt, aber auch besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Was hilft, ist: Schulträger und Politik müssen die Lage eindeutig beschreiben. Es ist eine Brennpunktschule. Eine Idee wäre, sie mit langem Atem als Stadtteilschule mit Begegnungszentrum weiterzuentwickeln. Dann wäre sie ein Haus für die Bürger:innen und Schul- und Jugend- und Kulturzentrum. Dazu sollten Beratungsangebote, Fahrradwerkstätten, eine auch öffentliche Bibliothek, etc. kommen. Auch das wird dauern, hilft aber allen, für mehr Wertschätzung und Akzeptanz zu sorgen. Die Schule muss der Mittelpunkt des Lebens im Westen der Stadt werden.

2.            Welche direkten Forderungen ergeben sich aus Ihrer Sicht an den Schulträger Stadt Göttingen, welche an das Land Niedersachsen?

Für die langfristige Entwicklung als Stadtteilzentrum ist die vollständige Sanierung dringend erforderlich. Im vorgelegten Entwurf für den Nachtragshaushalt wird diese ruhend gestellt. Das ist ein falsches Signal an die Schule, ohne die Sanierung nimmt man ihr völlig die Perspektive.

Neben der Sanierung muss die Stadt Personal bereitstellen. Das ist auch gut angelegtes Geld. Wo wir jetzt nicht präventiv tätig sind, zahlen wir später doppelt und dreifach über die wirtschaftliche Jugendhilfe. Hier brennt es gesellschaftlich bei Kindern und Jugendlichen. Das ist Aufgabe der Jugendhilfe, also ist die Stadt hier in der Verantwortung.

Das Land Niedersachsen muss den Schulen Stunden nach Belastungsfaktoren zu teilen. Bislang gibt es für die Schulen Lehrerstunden rein nach Stundentafel und den Fachunterrichten. In der Regel sind das 30 Stunden pro Woche für die Klasse, dann Zusatzbedarfe für Ganztag. Jede Schule erhält hier nach den gleichen Spielregeln die Ressourcen. Egal, welche besonderen Bedarfe sie hat. Deshalb muss das Land zukünftig die Stunden auch nach Belastungskriterien verteilen. Wer mehr zu bewältigen hat, muss auch mehr Personal bekommen.

3.            Welche Sofortmaßnahmen halten Sie für notwendig, um die Schule, die Lehrkräfte und die Schülerinnen und Schüler kurzfristig zu entlasten und zu schützen?

Die SPD-Ratsfraktion Göttingen hat das Problem erkannt und für die nächste Ratssitzung am 12. Dezember einen Antrag eingereicht, der zum Ziel hat, die Gewaltprävention an Göttinger Schulen ausbauen.

Die Göttinger Schulen zeigen ein hohes Engagement gewalttätige Konflikte an ihrer Schule mit unterschiedlichsten pädagogischen Konzepten zu vermeiden. Um kurzfristig der Schule zu helfen sind Sofortmaßnahmen zur Entlastung und zum Schutz der Schule, der Lehrkräfte, der Schüler:innen notwendig. In regelmäßigen Abständen sollten deshalb Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung an der GSG als Ansprechpartner:in und Hilfe für Antragstellungen der Eltern im Sozialbereich und Anträgen der Schule vor Ort sein. Hilfreich ist hier auch der Einsatz von Kulturdolmetscher:innen, um mit den Eltern besser ins Gespräch zu kommen. Auch die schnelle Erreichbarkeit des ASD sollte von Seiten der Stadt gewährleistet werden.

Das Personalpaket der Stadt muss zügig und sofort beginnen. Kurzfristig kann es auch helfen, wenn die weiteren Göttingen Schulen Stunden zur Verfügung stellen, um die GSG kurzfristig zu stützen. Das ist aber keine Dauermaßnahme. Es muss aber Solidarität unter den Schulen geben.