SPD-Ratsfraktion kritisiert Vorgehen der GöVB scharf:

Beschäftigte entlasten ja, Aufsichtsrat übergehen nein

Die SPD-Ratsfraktion Göttingen hält die angekündigte Entlastung der Beschäftigten bei der GöVB für richtig und notwendig. Wer seit Monaten mit hohem Krankenstand, Überstunden und verschobenen Urlauben arbeitet, braucht Unterstützung und verlässliche Rahmenbedingungen. Genau deshalb ist es aus unserer Sicht umso schwerer nachzuvollziehen, dass ein so weitreichender Fahrplanwechsel ohne ordentliche Abstimmung mit dem Aufsichtsrat vorangetrieben wird.

Das Angebot der Verkehrsbetriebe soll zum 25. Mai 2026 spürbar eingeschränkt werden, unter anderem durch ein früheres Ende der Hauptverkehrszeit, ausgedünnte Takte auf wichtigen Linien, den weitgehenden Wegfall der Linie 33, den Entfall von Nachtlinien am Wochenende sowie der Fremdvergabe der Linie 34.

Dazu erklärt die Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Insa Wiethaup: „Dass die Beschäftigten entlastet werden müssen, ist völlig richtig. Aber wer in einer solchen Lage tief in das Angebot eingreift, darf den Aufsichtsrat nicht einfach außen vorlassen. Das ist kein Nebenthema und kein operativer Kleinkram, sondern eine zentrale Frage für die Stadt, für die Fahrgäste und für das Vertrauen in die GöVB.“

Besonders kritisch sieht die SPD-Ratsfraktion dabei den Zeitpunkt des Vorgehens. Seit Längerem ist ein Strategieworkshop zur Lage und Zukunft der GöVB geplant, der nun am 5. Mai stattfinden soll. Dort hätten Fragen des Fahrplans, des Umgangs mit dem hohen Krankenstand und der Personalgewinnung gemeinsam und strukturiert beraten werden müssen. Dass dieser Termin erst jetzt kommt, ist aus Sicht der Fraktion selbst Teil des Problems. Ein solcher Workshop hätte früher stattfinden müssen, bevor Tatsachen geschaffen werden.

Hinzu kommt, dass es nach Angaben der Fraktion in der Vergangenheit mehrfach Gespräche mit Geschäftsführer Michael Neugebauer gegeben hat, verbunden mit der klaren Erwartung, tragfähige Lösungen für die angespannte Personalsituation zu entwickeln. Dass diese Lösungen inzwischen erkennbar vorliegen, sieht die SPD-Ratsfraktion nicht. Stattdessen erleben die Fahrgäste nun vor allem Kürzungen.

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion und Mitglied des Aufsichtsrates der GöVB, Volker Grothey, erklärt: „Wir haben mehrfach deutlich gemacht, dass die Personalsituation nicht einfach verwaltet, sondern gelöst werden muss. Davon sind wir offenbar noch ein gutes Stück entfernt.“

Seine Kollegin im Aufsichtsrat Elvan Tekindor-Freyjer ergänzt: „Wenn die Antwort vor allem darin besteht, Linien auszudünnen und Nachtbusse zu streichen, dann ist das zu wenig. Gerade die Kürzung des Nachtangebots ohne Alternativen ist mit Blick auf Sicherheit und die verlässliche Heimfahrt in den Abend- und Nachtstunden sehr problematisch.“

Aus Sicht der SPD-Ratsfraktion sind die angekündigten Einschränkungen ein falsches Signal. Wer mehr Menschen für den Nahverkehr gewinnen will, darf das Angebot nicht Stück für Stück zurückfahren. Göttingen braucht einen ÖPNV, auf den sich die Menschen im Alltag verlassen können und zwar nicht nur tagsüber, sondern auch am Abend und in der Nacht.

Für die SPD-Ratsfraktion ist deshalb klar: Die Entlastung der Mitarbeitenden ist richtig und notwendig. Ebenso notwendig ist aber eine ehrliche Aufarbeitung der Ursachen des hohen Krankenstandes. Es muss endlich gründlich untersucht werden, warum die Belastung so hoch ist, weshalb sich die Lage so zugespitzt hat und welche Schritte wirklich helfen, den Betrieb dauerhaft zu stabilisieren. Die Stadt kann sich kein weiter so leisten, bei dem am Ende Beschäftigte und Fahrgäste gleichermaßen die Zeche zahlen.

Die Sozialdemokraten erwarten, dass die Geschäftsführung die Gründe für das Vorgehen offen darlegt, den Aufsichtsrat künftig nicht mehr übergeht und im Strategieworkshop endlich belastbare Vorschläge auf den Tisch legt.

„Weniger Angebot kann nicht die Zukunft der GöVB sein“, stellen Grothey und Tekindor-Freyjer für die SPD abschließend klar.